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“Materialforschung gehört zu den Kernkompetenzen eines Innenarchitekten”

Astrid Gorella gründete ihr Unternehmen Lux Design Living 2010. Nachdem die Berlinerin zuvor fast ein Jahrzehnt in Shanghai und Tokio gelebt hatte, zog es sie letztlich zurück in ihre Heimat. Ihre Erlebnisse prägen bis heute ihre Planungen. Weniger die asiatische Ästhetik beeinflusst die Innenarchitektin, besonders beeindruckte sie die Kreativität und Sensibilität der Asiaten. “Sie können aus schier endlosen Möglichkeiten in sehr guter handwerklicher Qualität wählen — zu erschwinglichen Preisen. Auf diese Vielfalt kann ich zurückgreifen, wenn ich Materialien für die Projekte meiner Klienten zusammenstelle.” DeluxeMallorca.com traf Astrid Gorella in ihrem Showroom im Berliner Szenekiez Wilmersdorf zum Interview über Smart Homes, innovative Materialien und den “Berlin Way of Life”.

Frau Gorella, wie weit reisen Sie für Ihre Planungen?

Die meisten unserer Kunden sind Vorstände aus der deutschen Industrie. Sie halten teils mehrere Wohnsitze, für die sie uns Deutschlandweit engagieren. Aber auch eine Anfrage für eine Ferienimmobilie in Marbella oder auf Mallorca bearbeiten wir. Kürzlich war ich in Frankfurt tätig, aktuell planen wir eine Mietshaussanierung in Hamburg. Die meisten unserer Projekte liegen aber in Berlin. Für ein großes Neubauprojekt im Berliner Norden mit 20 Einheiten zwischen 29 und 110 Quadratmetern wurden wir gerade zur Beratung im Bereich Design und Entwicklung hinzugezogen.

Was inspiriert Sie?

Natürlich bietet Berlin als Metropole unzählige Einflüsse, die ich in die Entwürfe einfliessen lasse. Da ich viel reise, gern zur Ostsee, nach Spanien, Italien oder Frankreich, bringe ich von dort neue Eindrücke mit. In den letzten Jahren besuchte ich mit meinem Team zudem die Messen in Mailand und Paris. Unsere Hersteller bieten heute auch eine gute Kultur der Information, sie schicken uns regelmässig Newsletter zu Trends und Innovationen.

Wie würden Sie Ihren Signature Style beschreiben?

Der Signature Look von Lux Design Living lässt sich wohl am besten als Fusion aus Mid-Century-Style und Objekten namhafter Designer beschreiben. Fragt man unsere Kunden, dann liegt unsere Stärke darin, eine wohnliche Atmosphäre für sie zu erschaffen. Meist gestalten wir die gesamte Innenausstattung einer Wohnung oder Villa. Interessanterweise beginnen wir oft mit der Küche, der als Treffpunkt besondere Bedeutung zukommt. Wir empfehlen gern unsere Designküchen, die von Tischlereien in Handarbeit gefertigt werden. Von der Küche entwickelt sich die Planung dann meist weiter in den Lounge-Bereich, ins Büro und die Schlaf- oder Gästezimmer. Mit einer bildschönen neuen Küche wächst der Wunsch, auch alle anderen Räume zu modernisieren. Das Vertrauen entsteht bei der gemeinsamen Arbeit am Projekt, man lernt sich kennen und schätzen.

Gibt es einen „Berlin Look“ im Interieur Design?

Berliner lieben es urban und industriell. Sie schätzen Upcycling. Man hängt an Liebgewonnenem, Vertrautem, und möchte es in die neue Umgebung integrieren, wo möglich mit neuer Funktionalität. Modernität und Understatement stehen im Vordergrund, man lebt relaxt. Lux Design Living steht für bis ins kleinste Detail durchdachte Planungen, wir passen die Umgebung an die Anforderungen des Lebens von heute an. Kürzlich präsentierten wir für eine Bürofläche eine Minibar im Schreibtisch des CEOs, damit er keine Zeit auf dem Weg zur Küche verliert. Für Villen sind Multifunktionsräume ein Thema. Wo man früher einen Kinosaal entwarf, stattet man heute eher einen Games Room aus für verschiedene Freizeitaktivitäten — zum Beispiel mit Fitnessgeräten, Spielmöglichkeiten für Kinder und einem Billardtisch.

Sie arbeiten mit 3D-Visualisierungen, wie digital ist heute die Arbeit eines Interieur Designers?

Unsere Arbeit ist sehr digital, wir beschäftigen ein junges Design-Team, das mit Auto-CAD-Programmen unsere Entwürfe visualisiert, um den Kunden maßstabsgerecht und so realistisch wie möglich zeigen zu können, wie ihr Zuhause aussehen wird. Alle Planungen gehen danach nochmal über meinen Tisch für letzte Touch-ups. Im Ausland ist man weiter als in Deutschland im Bereich der Digitalisierung, das hat sich ja auch in den letzten zwei Jahren wieder gezeigt. Videokonferenzen abzuhalten gehört jetzt letztlich auch hier zum Tagesgeschäft, und das ist gut so. Als Geschäftsführerin von Lux Design Living liegt mein Fokus bei der Zusammenarbeit mit den Kunden und ich übernehme das Marketing. Zum Beispiel nehmen wir an Golfturnieren teil, um unser Netzwerk zu vergrössern. Nicht alles läuft bei uns digital ab, der Mensch steht weiter im Mittelpunkt.

Für Küchen und Bäder arbeiten die Hersteller heute mit innovativen Materialien, welche schätzen Sie im Besonderen?

Für Küchen empfehlen wir die neuen Feinstein-Arbeitsplatten des italienischen Labels Laminam, sie werden bei besonders hohen Temperaturen gebrannt, um die Oberflächen dicht zu verschließen. Sie sind dadurch langlebiger als die bisher üblichen Arbeitsplatten aus Marmor, denn diese wurden mit der Zeit fleckig oder dunkeln nach und werden stumpf. Bäder sind eine weitere Spezialität unseres Hauses. Hier zeigen wir großformatige Fliesen, die mit maximal 3 x 1,50 Metern deutlich pflegeleichter sind als die gängigen kleinen, deren Fugen sich schwer reinigen liessen. Man kleidet Decken, Wände und Böden mit den großen Fliesen aus. Diese sind mit nur 6 Millimetern hauchdünn. Der Look ohne Fugen ist deutlich ruhiger und cleaner. Duschen gestaltet man jetzt meist ebenerdig, ganze Apartments schwellenlos. Materialforschung gehört zu den Kernkompetenzen eines Innenarchitekten.

Sie bieten die Integration von Smart Home Technologien, wozu raten Sie Interessenten?

Unsere In-house-Smarthome-Profis arbeiten mit dem unabhängigen System Control-4. Unsere Kunden kaufen dann auch gerne das gesamte Paket, das vom Öffnen der Eingangstür per Daumenabdruck über die Paketannahme in Boxen außerhalb der Gartentür bis zur Steuerung von Heizung und Belüftung via Smartphone vom Urlaubsort aus viel Komfort bietet — auf Wunsch inklusive Videoüberwachung und Sicherheitssystem. Das Thema interessiert alle unsere Klienten und wir beraten sie kompetent. Technikinteressierte Auftraggeber, das sind vor allem Männer, haben meist sehr genaue Vorstellungen, was sie suchen. Allerdings ist das Budget für die Umstellung erheblich und neue Technologien kommen alle vier Jahre auf den Markt. Sicher wird in Zukunft die Steuerung via WLAN funktionieren, aber bisher gibt es Lücken beim Empfang, daher verkabeln wir momentan noch, weil das sicherer ist.

Was steht für Sie als nächstes an?

Wir arbeiten gerne auch mit B2B-Kunden zusammen, das sind Immobilien-Developer, für die wir Eigentumswohnungen möblieren. Dafür werden wir bereits in der Planungsphase hinzugezogen, um konzeptionell zu beraten — auch hier zur Planung von Bad und Küche. Oft stellt sich die Frage, was auf kleinstem Raum möglich ist, um textile Erlebniswelten zu schaffen. Aktuell planen wir für ein Projekt mit 20 Wohnungseinheiten, die Apartments sind ab 25 Quadratmeter groß. Mit den kleinen Einheiten spricht man eine neue, junge Zielgruppe von Immobilienkäufern an, die auf Minimalismus setzt und daher mit wenig Platz auskommt. Generation Z braucht nur Smartphone und Laptop, aber keinen Fernseher. Es wird weniger angeschafft, man lebt mit leichtem Gepäck, möchte sich nicht binden — auch nicht an eine große, hochpreisige Wohnung. Erst mit der Familienplanung wird mehr Raum dann ein Thema. Eine zweite Zielgruppe für kleine Einheiten sind Senioren, die sich verkleinern, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Auch hier richten wir oft komplett neu ein, schwere Perserteppiche und Eichenmöbel werden ersetzt durch ein frisches, modernes, pflegeleichtes Design. Ein vieldiskutiertes Thema in Berlin sind die zahlreichen Single-Haushalte, die bis zu 170 qm Wohnfläche beanspruchen — Platz, der jungen Familien fehlt.

Frau Gorella, vielen Dank für das interessante Gespräch. Haben Sie zum Abschluss einen Berlin-Tipp für uns?

Wer sich für Innenarchitektur interessiert, solle unbedingt im “Design-Palast” Stilwerk (Stilwerk Berlin, Kantstraße 17, 10623 Berlin) vorbeischauen. Auf 20.000 Quadratmetern sind 40 Premium-Labels vertreten, von Roche Bobois über Ligne Roset bis Fraai Berlin. Der ideale Ort, um sich inspirieren zu lassen.

Und natürlich ist das Ost-West-Kontastprogramm ein Must-see. Die Friedrichstrasse in Berlin zählt zwar nicht zu meinen Lieblingsorten, aber man sollte dort gewesen sein und danach auf dem Ku’damm bummeln, um den Unterschied zu erleben.

Mehr über Lux Design Living steht unter lux-design-living.com

Interview: Birgit Unger für deluxemallorca.com | August 2021

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