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„Zwischen Euphorie und Apokalypse“

Die 37. MEDIENTAGE MÜNCHEN fanden Ende Oktober 2023 erstmals im House of Communication der Serviceplan Group und im umliegenden Werksviertel statt. Der Konferenz-Titel „Intelligence“ wurde bei über 100 Veranstaltungen mit mehr als 350 Expert:innen vor rund 5.000 Besucher:innen diskutiert. Referent:innen aus den Bereichen Medienwirtschaft und -politik, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft reflektierten drei Tage darüber, welche Potenziale, Optionen und Folgen mit dem disruptiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz in unterschiedlichen Mediensektoren verbunden sind.

Galt Intelligenz bislang als kognitive, zuweilen emotionale Fähigkeit des Menschen, vernünftig zu denken, Probleme zu erkennen und zu lösen, kann Künstliche Intelligenz zwar, basierend auf Denkmodellen und großen Datensätzen, menschenähnlich intelligente Lösungen entwickeln. Doch die Grenzen der maschinellen Intelligenz sind erreicht, wenn es um Intuition und Empathie geht, um spontane Kreativität oder moralische Urteile. Dieses Ergebnis zeigte sich bei zahlreichen Keynotes und Debatten. KI kann Nutzungsdaten analysieren, Fake News identifizieren, Inhalte kuratieren und personalisieren, und sie kann Berichte über datafizierbare Ereignisse erstellen. Kommunikation aber basiere auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen, die wir als Menschen vor allem aus der Beziehung zu anderen Menschen schöpften. Deshalb müsse der Einsatz generativer KI transparent erfolgen, waren sich Medienmacher:innen sowie Vertreter:innen aus Medienpolitik und -aufsicht einig.

Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und bayerischer Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien, betonte, KI könne eine „gute Unterstützung für die Medienbranche“ sein. Bei der Regulierung komme es darauf an, keine Regeln aufzustellen, die später Innovationen verhindern könnten. Für den Produktionsbereich gilt: „Das Tandem aus KI und Mensch bringt momentan am besten die PS auf die Straße“, so Produzent Max Wiedemann.

 

 

Ernie und Bert waren Gäste bei der Auftaktveranstaltung. In der Session „Big Tech muss weg!“ gab Dr. Martin Andree einen Denkanstoß an die Medienbranche, wie das Netz von digitalen Monopolen befreit werden könnte.

„Das freie Internet wurde abgeschafft“

 

 

 

„Content ist lokal“

Katharina Behrends, General Manager DACH bei MediaForEurope und Mitglied des ProSiebenSat.1-Aufsichtsrats, hob im Rahmen des TV-Gipfels hervor: „Es ist wichtig, dass die Programmautonomie lokal in den Märkten bleibt.“ Als probates Mittel, um mit teuren Eigenproduktionen einen USP zu schaffen, gilt mehr Kooperation. Die deutsche Disney-Chefin Eun-Kyung Park sagte: „Die Zeit ist reif für neue Ideen und neue Formen der Zusammenarbeit.“ RTL-Programmgeschäftsführerin Inga Leschek zeigte sich aufgeschlossen, mehr teure Inhalte gemeinsam zu verwerten, zumal es sehr schwer sei, eine neue Programmmarke zu etablieren: „Exklusivität ist nicht die Kraft, die Marke ist die Kraft.“

Der Gründer der Change Agentur eshap, Evan Shapiro, sprach von einem „benutzerzentrierten Zeitalter der Medien, in dem User:innen ihre Feed-Hierarchie per Daumenwischen selbst einrichten“.

Patrick Weinhold, Redaktionsleiter Social Media bei der Tagesschau der ARD, forderte TikTok auf, „endlich seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen“. Eine Studie aus USA, die auf Deutschland übertragbar sei, habe gezeigt, dass von 7.000 Recommendations nur sieben nachrichtlicher Natur waren. News haben es demzufolge extrem schwer, in die Feeds der Fans vorzudringen.

 

Die Realität toppt schon mal die Satire

Im Rahmen des Europatags standen wichtige Neuregelungen auf EU-Ebene auf der Agenda, darunter der European Media Freedom Act (EMFA) und der Digital Services Act (DSA). Beide sollen im nächsten Jahr vollendet werden. Dr. Tobias Schmid, Chef der Landesanstalt für Medien NRW, gewährte bei den #MTM23 Einblick in den Maschinenraum der Behörden. „Kennen Sie die preisgekrönte Serie Parlament? Das ist eigentlich gar keine Satire!“

Auf fünf Konferenz-Bühnen wurden im House of Communication Vorträge angeboten. Hinzu kamen die Career-Erlebnismesse Media For You sowie Präsentationen von rund 30 Unternehmen. Ergänzend zum MEDIENTAGE-Gipfel, zum Audio- und TV-Gipfel sowie zum Journalism Summit fand erstmals ein KI-Gipfel statt, bei dem es um das Spannungsfeld zwischen technologischer Revolution und sozialer Verantwortung ging. Künstliche Intelligenz werde nicht zu einem Kampf zwischen Menschen und Maschinen führen. Es werde vielmehr ein Kampf zwischen Menschen sein, die die Maschinen nutzten, und denjenigen, die diese Maschinen, also die Tools der KI, nicht nutzten, so ein Keynote-Statement von Dr. Wieland Holfelder.

 

 

Das Konferenz-Programm bot zum Thema KI Veranstaltungen in den Bereichen Politik & Gesellschaft, Nachhaltigkeit, TV & Streaming, Social Media, Web3, Werbung & Marketing, Education sowie Games und XR. Hinzu kamen kommunikative Formate wie Masterclass-Angebote.

Zu den Events im Rahmenprogramm zählten die Nacht der Medien in der BMW Welt, die Verleihung des Blauer Panther TV & Streaming Award, die MTM Female Media Night, außerdem Riesenrad-Talks, die Expo Party und das Speakers‘ Dinner.

Unter den Referent:innen waren Bayerns Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach, die österreichische Bundesministerin Dr. Susanne Raab, die Vizepräsidentin des Europäisches Parlaments Katarina Barley, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Prof. Dr. med. Alena Buyx, der KI-Forscher Prof. Dr. Björn Ommer, die Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel, der ARD-Vorsitzende Prof. Dr. Kai Gniffke, der ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler, die BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth, der Google-Manager Philipp Justus, der YouTube-Director Andreas Briese, der Spotify-Manager Yves Brunschwiler, der dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch, die SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer, Moderator Joko Winterscheidt sowie Schauspielerin Maria Furtwängler.

Die 37. MEDIENTAGE MÜNCHEN wurden von der Medien.Bayern GmbH, einer Tochtergesellschaft der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), veranstaltet und von der Bayerischen Staatskanzlei und der BLM gefördert. Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der BLM und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medien.Bayern GmbH, zog eine positive Bilanz: „Das Thema ‚Intelligence‘ hätte relevanter nicht sein können: Künstliche Intelligenz ist nach diesen drei Tagen greifbarer geworden – mit allen Auswirkungen auf die Medienwelt.“

Mehr dazu steht unter medientage.de.
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