EU-ETS: Warum Flugziele in den USA und China ausgenommen bleiben
Flugziele in den USA, China und Indien bleiben im EU-Emissionshandel (EU-ETS) vor allem aus geopolitischen Gründen, historischen Konflikten um nationale Souveränität und zur Vermeidung von Handelsstreitigkeiten ausgenommen. Die Europäische Kommission schlug im Juli 2026 vor, das EU-ETS ab 2029 erstmals auf Langstreckenflüge außerhalb Europas auszuweiten. Die Erfassung greift jedoch nur in einem Radius von 5.000 Kilometern um den Frankfurter Flughafen. Dies schließt den Nahen Osten und Nordafrika ein, spart aber die größten globalen Luftfahrtmärkte gezielt aus.
Die Hauptgründe für diese Ausnahme:
1. Drohende Handelskriege und historische Blockaden
Bereits im Jahr 2012 versuchte die EU, alle in Europa startenden und landenden internationalen Flüge in das ETS einzubinden. Dies scheiterte am erbitterten Widerstand der USA, Chinas und Indiens.
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- Die Staaten sahen darin einen unzulässigen Eingriff in ihre nationale Souveränität und das Völkerrecht.
- China drohte damals, Großbestellungen beim europäischen Flugzeugbauer Airbus zu stornieren.
- Die USA verabschiedeten ein Gesetz, das es US-Airlines gesetzlich verbot, am EU-ETS teilzunehmen.
- Um einen globalen Handelskrieg abzuwenden, fror die EU die Pläne ein („Stop the Clock“-Regelung). Der aktuelle Vorschlag verschiebt diese potenziellen Konflikte nun strategisch in die Zukunft.
2. Gezielter Fokus auf Wettbewerbsverzerrung durch Golf-Airlines
Anstatt sich mit den USA oder China anzulegen, zielt die EU mit dem 5.000-Kilometer-Radius primär auf Fluggesellschaften aus der Golfregion (wie Emirates oder Qatar Airways) sowie Turkish Airlines ab.
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- Diese Airlines nutzen ihre Mega-Hubs in Dubai, Doha oder Istanbul, um europäische Passagiere auf dem Weg nach Asien oder Afrika einzusammeln.
- Da diese Hubs nun innerhalb der Zone liegen, müssen diese Zubringerflüge CO₂-Zertifikate bezahlen.
- Damit reagiert die EU auf jahrelange Beschwerden europäischer Fluggesellschaften (wie der Lufthansa Group), die unter massiven Wettbewerbsnachteilen gegenüber diesen staatlich gestützten Drehkreuzen litten.
3. Rücksichtnahme auf das UN-System CORSIA
Die USA und China pochen darauf, dass Emissionen im internationalen Luftverkehr ausschließlich über das globale Kompensationssystem CORSIA der UN-Luftfahrtorganisation ICAO geregelt werden.
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- CORSIA wird ab 2027 für alle 193 Mitgliedstaaten verpflichtend.
- Obwohl die EU das System als wissenschaftlich unzureichend kritisiert und deshalb die ETS-Ausweitung vorantreibt, will sie die globale Zusammenarbeit nicht vollständig torpedieren.
- Bis Juli 2032 wird die EU-Kommission die Wirksamkeit von CORSIA prüfen. Erst danach wird entschieden, ob das EU-ETS wieder verkleinert oder doch auf alle weltweiten Flüge (inklusive USA und China) ausgedehnt wird.
4. Vermeidung von „Carbon Leakage“ auf Ultra-Langstrecken
Flüge in die USA oder nach China sind so lang, dass zusätzliche CO₂-Kosten auf Direktflügen das Risiko von Ausweichbewegungen extrem erhöhen würden. Passagiere könnten vermehrt auf noch billigere Umweg-Verbindungen über Drittstaaten ausweichen, was dem Klima nicht hälfe und der europäischen Wirtschaft schaden würde.
✈️ Ticketpreise ab 2029 (Fokus: Naher Osten)
Die Ausweitung des EU-ETS auf Flüge in einem Umkreis von 5.000 Kilometern betrifft vor allem die Drehkreuze in der Golfregion (z.B. Dubai, Doha) und Istanbul.
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- Der Preistreiber: Airlines müssen ab 2029 für den CO₂-Ausstoß auf diesen Strecken europäische Emissionsrechte (EUA) erwerben.
- Geschätzte Mehrkosten: Je nach aktuellem CO₂-Preis und Flugzeugtyp schlagen Experten einen Aufschlag von 20 bis 60 Euro pro Flugticket im Economy-Tarif für die Strecke von Europa zum Golf-Drehkreuz auf.
- Die Hebelwirkung: Da nur der Zubringerflug aus der EU (z. B. Frankfurt–Dubai) unter das ETS fällt, nicht aber der Anschlussflug (z. B. Dubai–Bangkok), steigen die Preise für Langstrecken-Umsteigeverbindungen moderater an als für reine Direktflüge.
- Wettbewerbseffekt: Europäische Airlines hoffen, dass dadurch der Preisvorteil der Golf-Airlines schrumpft und Reisende wieder öfter Direktflüge wählen.