Zwei Zähler, zwei Anbieter, ein Verbrauch
Ein ungewöhnlicher Fall bei der Stromverbrauchserfassung sorgt derzeit für Fragen. In einer Etagenwohnung werden zwei separate Stromzähler betrieben. Einer der Zähler verfügt über eine Hochtarif-/Niedertarif-Erfassung (HT/NT), der andere nicht. Nach allgemeinem Verständnis dienen solche Zähler meist der getrennten Erfassung unterschiedlicher Verbrauchsarten, beispielsweise Haushaltsstrom sowie Heiz- oder Warmwasserstrom.
Nach Angaben des Betroffenen weisen beide Zähler seit mehreren Monaten identische Zählerstände, beziehungsweise einen identischen Verbrauchsverlauf auf. Dies erscheint nicht plausibel, da zwei getrennte Zähler üblicherweise unterschiedliche Stromkreise oder Verbrauchsarten erfassen und daher abweichende Verbrauchswerte erwarten lassen.
Der Sachverhalt wurde bereits vor Monaten gegenüber den zuständigen Stromversorgern beanstandet. Bisher erfolgte keine zufriedenstellende Klärung. Bemerkenswert ist zudem, dass zwei unterschiedliche Stromversorger beziehungsweise Vertragspartner betroffen sind.
Da die bisherigen Anfragen nicht zu einer nachvollziehbaren Erklärung geführt haben, wird nun der zuständige Messstellenbetreiber um eine technische Überprüfung der Anlage, der Zählerzuordnung und der Verbrauchserfassung gebeten. Ziel ist eine transparente und nachvollziehbare Klärung der Frage, weshalb zwei getrennte Stromzähler über einen längeren Zeitraum identische Werte ausweisen.
Durch eine unabhängige technische Prüfung soll festgestellt werden, ob die Zähler korrekt zugeordnet und die Verbräuche ordnungsgemäß erfasst werden.
Wenn unabhängig voneinander gemessene Zähler über längere Zeiträume exakt identische Verbrauchswerte anzeigen, ist das statistisch nahezu ausgeschlossen. Verbrauch entwickelt sich als kontinuierlicher, hochvariabler Prozess, der von zahlreichen individuellen Faktoren beeinflusst wird. Schon kleinste Unterschiede im Nutzungsverhalten führen zu sofortigen Abweichungen. Ohne gemeinsame Ursache, technische Kopplung oder systematische Synchronisation handelt es sich bei identischen Messwerten daher nicht um ein erwartbares Ergebnis, sondern um einen extrem seltenen statistischen Ausreißer – oder um ein mess- bzw. übertragungstechnisches Artefakt.
Wenn zwei Zähler über Jahre identisch laufen, sind technisch wenige Szenarien plausibel:
Szenario: Gleicher Messpunkt doppelt erfasst
- Fehler im Messkonzept oder Dokumentation
- zwei Zähler messen denselben Abgang (selten, aber möglich nach Umbauten)
„Zusammenlegung“
- mehrere Verbraucher laufen jetzt über einen Hauptzähler
- ein Tarif (z. B. Nachtstrom) wurde gestrichen
- alte Heizstromanlage wurde stillgelegt