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„Nicht einen Touristen mehr“ – Barcelona baut zurück

José Antonio Donaire, Barcelonas neuer Beauftragter für nachhaltigen Tourismus, stellt Maßnahmen zur Begrenzung der Gästezahl vor. Die katalanische Metropole, längst als Paradebeispiel eines außer Kontrolle geratenen Massentourismus bekannt, kapituliert vor dem eigenen Erfolg.

Bei gerade einmal 1,6 Millionen Einwohnern gleicht die Stadt im Sommer einem überhitzten Freizeitpark, in den jährlich das Zehnfache an Besuchern drängt. Die Folgen dieser Überfremdung sind für Einheimische existenzbedrohend. Explodierende Mieten machen das Wohnen unbezahlbar. Überlastete U-Bahnen blockieren den Alltag. Traditionelle Viertel verlieren ihre Identität.

Nun zieht die Stadtverwaltung die Notbremse. Die jährliche Besucherzahl wird bei exakt 15,7 Millionen eingefroren – dem Niveau des Vorjahres. Es ist ein beispielloser Versuch, Lebensqualität über Profit zu stellen.  Besonders hart trifft die Neuausrichtung die Kreuzfahrttouristen. Sie gelten in der Stadtverwaltung seit jeher als das personifizierte Übel des Phänomens – sie fluten für wenige Stunden die Gassen, verstopfen die Ramblas, lassen aber kaum Geld in den lokalen Geschäften zurück.

Gegen diese „Tagestouristen auf Durchreise“ geht die Stadt nun mit administrativer Härte vor:

• Die Zahl der Terminals für Kreuzfahrtschiffe wird von sieben auf fünf reduziert.
• Die maximale Tageskapazität für Passagiere sinkt von 37.000 auf 31.000.
• Deutlich erhöhte Abgaben sollen Reedereien und Billigtouristen abschrecken.

Hinter den Maßnahmen steckt der Plan einer tiefgreifenden Transformation. Bislang bestand das Publikum zu zwei Dritteln aus reinen Freizeiturlaubern. Künftig soll eine strikte Dreiteilung herrschen: Jeweils ein Drittel Geschäftsreisende, Kulturtouristen und Freizeiturlauber. Man sucht den zahlungskräftigen Gast, der bleibt, statt den Billigurlauber, der nur konsumiert.

Gleichzeitig trocknet die Stadt den Markt für illegale und Kurzzeit-Vermietungen aus. Nachdem bereits die Vergabe neuer Lizenzen gestoppt wurde, sollen bis 2028 rund 10.000 Ferienwohnungen komplett vom Markt verschwinden und in regulären Wohnraum zurückgeführt werden. Mit einer Touristensteuer von mittlerweile zehn und 15 Euro pro Person und Nacht hat Barcelona ein Spitzenniveau erreicht. Die Botschaft der katalanischen Metropole ist unmissverständlich: Barcelona ist kein Freizeitpark, sondern eine Stadt, in der auch noch Menschen leben wollen. Ob das Experiment gelingt, ohne der Wirtschaft den sprichwörtlichen Hahn abzudrehen, wird ganz Europa aufmerksam beobachten.
Engineer inspect and checking solar panel by Drone at solar power plant
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