Rissagas auf den Balearen – ein ungewöhnlicher August 2026
Der August gehört zu den Monaten, in denen auf den Balearen besonders aufmerksam auf Rissagas geachtet wird. Die Rissaga ist kein gewöhnlicher Wellengang und auch kein klassischer Tsunami: Sie entsteht durch rasche Veränderungen des Luftdrucks und atmosphärische Schwerewellen, häufig im Zusammenhang mit Gewittern. Trifft die Störung auf eine dafür anfällige Bucht oder einen Hafen, kann sich die Bewegung des Meeresspiegels dort stark verstärken.
Der August 2026 hat den Balearen eine ungewöhnliche Häufung der „Meteotsunamis“ beschert. Besonders deutlich zeigte sich das Phänomen am 24. August 2026: Auf Mallorca wurden Rissagas in Port de Sóller und Port d’Andratx beobachtet. Zeitgleich bestanden auf Menorca Warnungen vor Meeresspiegelschwankungen von bis zu 1,2 Metern.
Auch Ibiza war am selben Tag betroffen. An der Platja de s’Arenal und an der Uferpromenade von Sant Antoni stieg das Wasser ungewöhnlich weit auf die Strände, Promenaden und Restaurantterrassen.
Das Besondere an Rissagas ist ihre scheinbare Unberechenbarkeit: Das Meer kann sich innerhalb kurzer Zeit mehrfach zurückziehen und anschließend wieder ansteigen. Dabei entstehen nicht unbedingt hohe brechende Wellen – vielmehr kann das Wasser wie eine gewaltige, langsam hin- und herlaufende Flut in einen Hafen oder eine Bucht eindringen.
Der August 2026 zeigt damit eindrucksvoll, dass nicht nur Menorca mit dem berühmten Rissaga-Hotspot Ciutadella betroffen ist. Auch Mallorca und Ibiza können bei geeigneten atmosphärischen Bedingungen erhebliche Wasserstands-Schwankungen erleben. Besonders anfällig sind geschützte Häfen und Buchten, in denen die lokale Geometrie die Schwingung des Wassers verstärkt.
Für Mallorca ist der aktuelle August damit ein bemerkenswertes Rissaga-Ereignis: Die Kombination aus den dokumentierten Ereignissen in Sóller und Andratx und den gleichzeitigen Warnungen für andere Baleareninseln macht deutlich, dass Meteotsunamis ein archipelweites Wetter- und Küstenphänomen sind – keineswegs ausschließlich ein Problem Menorcas.
