Digitale Gesundheitsakte für Reisende: In Europa ohne Grenzen
Ab sofort wird ein Urlaub in Europa noch ein Stück entspannter – zumindest was die medizinische Versorgung angeht. Dank des neuen Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) können Ärzte künftig grenzüberschreitend auf Patientendaten zugreifen. Wer also im Ausland plötzlich medizinische Hilfe benötigt, profitiert davon, dass behandelnde Ärzte die wichtigsten Informationen – etwa Vorerkrankungen oder aktuelle Medikamente – schnell und sicher abrufen können.
Die Regelung, die im März 2025 in Kraft trat, schafft einen einheitlichen Rechts- und Technikrahmen für den Austausch von Gesundheitsdaten in allen EU-Staaten. Sie gilt unmittelbar und regelt nicht nur die Nutzung der Daten für die medizinische Versorgung, sondern auch für Forschung und Statistik – selbstverständlich unter strikten Datenschutzvorgaben.
Patienten behalten dabei die volle Kontrolle: Wer möchte, kann bestimmen, welche Informationen geteilt werden und wer darauf Zugriff hat. Die Umsetzung erfolgt schrittweise: Bereits jetzt beginnt die Aufbauphase, ab 2027 sollen erste Datenkategorien europaweit verfügbar sein, bis 2029 wird der Austausch von elektronischen Patientenakten und Rezepten über Ländergrenzen hinweg möglich sein.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Im Notfall kann die Behandlung schneller und präziser erfolgen, selbst wenn man sich weit weg von zu Hause befindet. Der neue EU-Standard verbindet damit digitalen Fortschritt mit mehr Sicherheit – ein kleiner, aber entscheidender Vorteil für alle, die gerne unterwegs sind.
In Deutschland steht die elektronische Patientenakte (ePA) vor einer ähnlichen Modernisierung, gestaltet sich aber bislang als deutlich komplexer. Seit Januar 2025 wird die Akte automatisch für alle gesetzlich Versicherten eingerichtet, die Nutzung durch Ärztinnen, Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken ist seit Oktober 2025 gesetzlich verpflichtend. Dennoch zeigen Umfragen und Studien, dass die technische Ausstattung vieler Einrichtungen noch nicht flächendeckend bereit ist, und die aktive Nutzung durch Patienten bislang nur langsam zunimmt. Datenschutz und Patientensteuerung bleiben zentrale Elemente: Versicherte können jederzeit festlegen, welche Dokumente einsehbar sind oder die Akte vollständig löschen. Die ePA ist damit zwar real im Einsatz, aber noch nicht vollständig im Praxisalltag etabliert.
Spanien betreibt seit 2015 eine elektronische Patientenakte, die dort unter dem Namen Historia Clínica Digital bekannt ist und Patienteninformationen digital speichert. In der Folge sind die meisten spanischen Regionen technisch vernetzt, und der Datenaustausch zwischen regionalen Akten sowie mit dem nationalen Gesundheitssystem funktioniert grundsätzlich.